Berufsbilder

Künstlerisches Betriebsbüro, Referentin d. GS

Elisabeth Probst // Musikverein für Steiermark

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© Raoul Lechner

Was machen Sie in Ihrem Job?

Im künstlerischen Betriebsbüro: Mein Aufgabenbereich erstreckt sich von der Erstellung der Künstlerverträge über die Organisation und Logistik der Konzerte bis hin zur Künstlerbetreuung und Abendspielleitung. Hierfür bin ich in ständigem Kontakt mit Künstleragenturen oder den Künstler_innen selbst, mit dem Team der Veranstaltungsstätte(n), organisiere Instrumentenleihen und -transporte sowie Parkplätze für die Instrumententransporter/Busse, Stimmungen, ggf. Technik (Licht, Ton), Notenmaterial und Tastendienste für Orchesterkonzerte, betreue Proben mit Gastsolisten_innen und Gastdirigenten_innen, koordiniere ORF-Tonmitschnitte, erledige Hotelbuchungen für Künstler_innen in unseren Partnerhotels, erstelle den Ablaufplan für die jeweiligen Konzerttage und kommuniziere mit und zwischen allen auf und hinter der Bühne beteiligten Personen.

An den Konzerttagen betreue ich die Anspielproben, bestücke die Garderoben, bin Ansprechperson für die Künstler_innen, mache das abendliche Briefing des Personals (Garderobe, Billeteur_innen). Schlussendlich folgt die Nachbearbeitung der Konzerte mit u.a. der Honorarabrechnung für die Künstler_innen und allen weiteren das Konzert betreffenden Abrechnungen (Saalmiete, Transporte, Noten, Substitute, etc.).

Ein weiterer Aspekt meiner Arbeit ist die Koordination der Probenbesuche und Workshops für Schülergruppen sowie die Erstellung und Betreuung der Kooperationen mit den verschiedenen steirischen Universitäten.

Neben den Detailplanungen für die jeweiligen Konzerte gehören aber auch Überblicksplanungen für die jeweils kommenden Spielzeiten dazu, wie beispielsweise die Einteilung der Dienstärzte, rechtzeitiges Reservieren von Notenmaterialien, die Einteilung der Bühnengrößen anhand der Besetzungen (bei Orchesterkonzerten), Koordination von Klavierstimmterminen, Blumenbestellungen und CD-Verkäufen, uvm.

Als Referentin des Generalsekretärs: Unterstützung des Generalsekretärs des Musikvereins bei Kooperations-Terminen, Vorausplanungen, Kommunikation mit Agenturen und Künstler_innen – ineinandergreifend mit den oben beschriebenen Tätigkeiten des künstlerischen Betriebsbüros.

 

Welche Fähigkeiten braucht man dafür?

Organisationstalent, Fokus auf Details und gleichzeitiges Behalten des Überblicks, vernetztes Denken, Eigeninitiative, Motivation, Flexibilität, Gelassenheit, Belastbarkeit, viel Energie, Bereitschaft zu flexiblen Arbeitszeiten und Überstunden, ein fundiertes Stress- und Zeitmanagement, Zugehen auf Menschen, Kommunikationsfreude, Interesse für (ernste) Musik. Eine musikalische oder musikwissenschaftliche Ausbildung und/oder Aktivität ist außerdem von Vorteil.

 

Was macht Ihnen dabei am meisten Spaß?

Die unterschiedlichen Aufgabenbereiche und „Konzerttypen“ (Orchester-, Kammer-, Solisten-, Kinderkonzerte und Liederabende) bringen viel Abwechslung. Besonders spannend ist die Arbeit mit den Künstler_innen selbst, da man mit interessanten und sehr unterschiedlichen Menschen aus dem künstlerischen Bereich zu tun hat.

 

Was sind die größten Herausforderungen?

Im Vorfeld: Manchmal gibt es Agenturen, mit denen es eine Herausforderung ist, vermeintliche Ansprüche von Künstler_innen bzw. Konditionen zu verhandeln.

An den Konzerttagen: Ruhe bewahren, wenn der Hut brennt oder kurzfristig Änderungen gemacht werden, die den geplanten Ablauf durcheinander bringen, an dem ja verschiedenste Personen beteiligt sind. Ruhig und freundlich bleiben, wenn kurzfristig Beteiligte mit etwas nicht zufrieden oder einverstanden sind, auch wenn im Vorfeld meist alles besprochen wurde – kommt aber sehr, sehr selten vor!

 

Welchen Tipp haben Sie für angehende Konzertmanager_innen?

Interesse und Freude an der Musik (oder der jeweiligen Veranstaltungsart) sollte vorhanden sein – einen Job, der nicht Spaß macht oder nicht interessant ist, macht man nur halb so gut! Zum Hineinschnuppern rate ich zu Praktika in den unterschiedlichen Bereichen (Konzertveranstalter, Künstleragentur, Orchesterbüro, etc.). Diese Praktika sowie evtl. sogar die eigene Ausübung von Musik zeigen einem automatisch den Weg. Man wächst mit der Zeit in das Umfeld hinein. Meist sind die Praktika auch – wenn man seine Arbeit gut und engagiert macht – der „Fuß in der Tür“ zum Berufseinstieg!

 

Nach und während einer umfassenden musikalischen Ausbildung (Musikgymnasium, Johann-Joseph-Fux Konservatorium Graz) mit den Hauptfächern Viola und Klavier sowie vielseitigen Ergänzungsfächern (u.a. Kammermusik, Jazz-Rhythmusschulung, Percussion-Ensemble, Chor, Jazzgesang) absolvierte Elisabeth Probst zunächst das Bachelor- und Masterstudium Musikologie mit Ergänzungsfach Kulturmanagement an der Karl-Franzens-Universität und an der Universität für Musik und darstellende Kunst Graz mit einem Auslandssemester in Bologna/Italien. Nach einigen Praktika während des Studiums im Kultur- und Wissenschaftsbereich (Schauspielhaus Graz, styriarte, Musikverein für Steiermark, Deutsches Studienzentrum in Venedig, Neuberger Kulturtage) erfolgte 2014 der Berufseinstieg im Künstlerischen Betriebsbüro des Musikvereins.

Neben dem Hauptberuf im Konzertmanagement arbeitet Elisabeth Probst an ihrer Dissertation im Fach Musikwissenschaft, unterstützt durch ein Wissenschaftsstipendium am Deutschen Studienzentrum in Venedig, und war 2015/16 Lehrbeauftragte am Institut für Musikwissenschaft der Karl-Franzens-Universität Graz. Seit Jänner 2018 steht sie als Fachbeirätin in der Sparte Ernste Musik/Neue Musik dem Kulturamt der Stadt Graz beratend zur Seite. Nach wie vor ist Elisabeth Probst im Sinfonieorchester des Konservatoriums, mit dem Quasi Presto Streichquartett sowie mit der Band styropop musikalisch aktiv.

 

Stand: Mai 2019